Siemens bringt die kompakte Steuerung LOGO! 9 für fortschrittliche Kleinserienautomatisierung auf den Markt
Siemens stellt LOGO! 9 vor und rüstet seinen kompakten Logikcontroller mit verbesserter Verarbeitung, Touchscreen-Bedienung und Cybersicherheit auf. Die neue Plattform schließt die Lücke zwischen e...
Ein lang erwartetes Upgrade für einen bewährten Controller
Siemens hat LOGO! 9 vorgestellt und damit die erste grundlegende Weiterentwicklung seines kompakten Logikcontrollers seit über einem Jahrzehnt eingeleitet. Die neue Plattform wurde für kleine Automatisierungssysteme entwickelt und steht für den Wandel hin zu intelligenteren, stärker vernetzten Steuerungsumgebungen.
Von der Gebäudeautomation bis hin zu kleinen Maschinen erweitert LOGO! 9 die Rolle kompakter Controller über einfache Logikaufgaben hinaus. Das System unterstützt nun höhere Rechenanforderungen und bewahrt gleichzeitig die Benutzerfreundlichkeit, die der Serie zu ihrer weiten Verbreitung verholfen hat.
Der LOGO! 9 Controller verfügt über eine farbige Touchscreen-Oberfläche für verbesserte Benutzerfreundlichkeit und Diagnosemöglichkeiten.
Logik skalieren, ohne die Komplexität zu erhöhen
Erweiterte Verarbeitungs- und I/O-Kapazität
Eine der bedeutendsten Neuerungen liegt in der Logikkapazität des Controllers. LOGO! 9 unterstützt nun bis zu 800 Funktionsbausteine und verdoppelt damit effektiv die Leistungsfähigkeit seines Vorgängers.
Dank dieser Erweiterung können Ingenieure Anwendungen konsolidieren, für die zuvor mehrere Controller erforderlich waren. Die erweiterte I/O-Kapazität unterstützt zusätzlich die Skalierbarkeit von Systemen, ohne die Hardwarekomplexität zu erhöhen.
Präzision durch fortschrittliche Berechnungen
Die verbesserten Analogmodule ermöglichen eine höhere Messgenauigkeit. Dank der Unterstützung von Gleitkommaoperationen kann LOGO! 9 präzisere Datenverarbeitungsaufgaben bewältigen.
Diese Fähigkeit ist besonders bei Anwendungen wie der Umweltüberwachung und der Prozesssteuerung wichtig, bei denen bereits geringe Abweichungen die Systemleistung beeinträchtigen können.
Erweiterte I/O-Module ermöglichen die Skalierung von LOGO! 9-Systemen bei kompakter Bauweise.
Die Bedienerinteraktion rückt in den Mittelpunkt
Integrierter Touchscreen und Visualisierung
Siemens hat einen integrierten Farb-Touchscreen eingeführt, über den Bediener Systemzustände direkt auf Controller-Ebene überwachen können. Dadurch sinkt bei kleineren Systemen die Abhängigkeit von externen HMIs.
Für umfangreichere Visualisierungsanforderungen ermöglichen externe Displays mit Ethernet-Konnektivität die Echtzeitüberwachung und sichere Kommunikation im gesamten Netzwerk.
Plattformübergreifendes Engineering
Die aktualisierte Software LOGO! Soft Comfort V9 verbessert die Engineering-Abläufe durch plattformübergreifende Kompatibilität. Ingenieure können Systeme nun in Windows-, macOS- und Linux-Umgebungen implementieren und warten.
Diese Flexibilität erleichtert die Integration in bestehende Arbeitsabläufe und reduziert den Engineering-Aufwand bei Inbetriebnahmen und Upgrades.
Die aktualisierte Engineering-Software ermöglicht eine schnellere Implementierung und eine verbesserte Projektkompatibilität.
Auswirkungen auf Anwendungen in kleinen Automatisierungssystemen
LOGO! 9 richtet sich an ein breites Anwendungsspektrum, darunter die HLK-Steuerung, Wasseraufbereitungssysteme und kleine Produktionslinien. Dank seiner erweiterten Funktionen kann es in kostenbewussten Umgebungen komplexere SPS-Aufbauten ersetzen.
Für Integratoren und OEMs reduziert die Möglichkeit, Logik, Visualisierung und Kommunikation in einem einzigen kompakten Gerät zu kombinieren, sowohl die Installationszeit als auch den Platzbedarf des Systems.
Sicherheits- und Lebenszyklusaspekte
Sicherheit ist inzwischen auch für kompakte Controller eine grundlegende Anforderung. LOGO! 9 führt Secure Boot und verschlüsselte Kommunikation ein, um unbefugten Zugriff zu verhindern.
Auch das Lebenszyklusmanagement wurde durch Firmware-Updates und vereinfachte Rücksetzfunktionen verbessert. Dadurch sinkt der Wartungsaufwand, während die Systemintegrität erhalten bleibt.
Branchentrend: Kompakte Controller werden erwachsen
Die Entwicklung von LOGO! spiegelt einen breiteren Branchentrend wider. Kompakte Controller sind längst nicht mehr auf einfache Aufgaben zum Relaisersatz beschränkt. Sie rücken näher an den Randbereich digitaler Infrastrukturen.
Da Automatisierungssysteme mehr Konnektivität und Intelligenz verlangen, müssen kompakte SPS die Lücke zwischen Einfachheit und Leistungsfähigkeit schließen.
Für Anwender, die umfassendere Controller-Ökosysteme erkunden möchten, bieten verfügbare Siemens-SPS- und Automatisierungsmodule einen detaillierteren Einblick in Siemens-basierte Automatisierungslösungen und zeigen, wie kompakte Controller in größere Architekturen integriert werden.
Perspektive des Autors
LOGO! 9 stellt eher einen strategischen Schritt als ein routinemäßiges Upgrade dar. Siemens positioniert kompakte Controller als Einstiegspunkte in digitale Automatisierungsökosysteme.
Meiner Ansicht nach liegt der eigentliche Wert nicht allein in den zusätzlichen Funktionen, sondern darin, wie diese Funktionen die Fragmentierung von Systemen verringern. Wenn ein einziges kompaktes Gerät Logik, Visualisierung und sichere Kommunikation übernehmen kann, verändert dies die Konzeption kleiner Systeme grundlegend.
Dieser Wandel dürfte Wettbewerber in den kommenden Jahren dazu bringen, ihre eigenen Automatisierungsplattformen im Einstiegsbereich neu zu überdenken.
Daniel Hartwell, Analyst für industrielle Systeme – 14 Jahre Erfahrung in der Integration von SPS-Systemen und der Implementierung industrieller Software, mit Projekterfahrung in den Bereichen Siemens, ABB und Beckhoff Automation.