Siemens beschleunigt die Konstruktionssimulation mit einem einheitlichen, KI-gestützten Simcenter-Portfolio
Die neueste Simcenter-Version von Siemens vereint die Simulationslösungen von Siemens und Altair mit PhysicsAI, GPU-beschleunigtem CFD-Training, netzlosem Si...
Siemens hat Altairs Simulationspaket gerade in dieselbe Simcenter-Story integriert, die das Unternehmen an Multiphysik-Teams verkauft. Die neueste Portfolioveröffentlichung – Ende Juli angekündigt und in der Berichterstattung Anfang August aufgegriffen – präsentiert Siemens- und Altair-Technologien erstmals als einheitlich ausgerichtetes Simulationsportfolio. KI-Beschleunigung und Analysen bereits in einer früheren CAD-Phase sollen die Zeit zwischen „Was wäre, wenn?“ und einer belastbaren Designentscheidung verkürzen.
Sam Mahalingam, Executive Vice President für Simulation bei Siemens Digital Industries Software, brachte das Verkaufsargument in einem Satz auf den Punkt: Erkenntnisse schneller in Handlungen umsetzen, indem physikalische Domänen in gemeinsamen Workflows verbunden und Simulationen mehr Menschen zugänglich gemacht werden – nicht nur spezialisierten Solver-Experten.
Siemens positioniert das Simcenter-Update für Sommer 2026 als einheitliches, KI-optimiertes Portfolio für Struktur-, Strömungs-, Elektromagnetik- und Systemsimulation.
PhysicsAI entwickelt sich vom Spezialwerkzeug zum verbindenden Element des Portfolios
Simcenter PhysicsAI – die auf geometrischem Deep Learning basierende Schicht von Siemens, die Simulationsdaten in Vorhersagemodelle umwandelt – ist nun in weitere Simcenter-Produkte integriert. Siemens verspricht eine bis zu 1.000-mal schnellere Konzeptbewertung als bei herkömmlichen Solver-Läufen. Modelle und Daten können dabei in Intelligence Center X, die industrielle KI-Orchestrierungssoftware des Unternehmens, eingespeist werden.
In Simcenter Inspire soll PhysicsAI Ergebnisse in der Strukturanalyse und bei Fertigungsprozessen wie Gießen, Formen, Gesenkschmieden und Extrudieren vorhersagen. Die Hypermesh-Trainingsworkflows wurden im Hinblick auf Effizienz und Ergebnissicherheit erweitert. Die Multi-GPU-Unterstützung in Simcenter STAR-CCM+ soll das Training von KI-Modellen aus CFD-Fällen um das Zehnfache und darüber hinaus beschleunigen.
Neu in dieser Version ist Simcenter PhysicsAI Generate: eine physikbewusste generative Engine, die anhand von Zielabmessungen, Leistungs-KPIs und historischen Trainingsdaten innerhalb von Sekunden Designkonzepte erzeugt. Damit soll die Erkundung des Designraums möglich werden, ohne für jede noch so gewagte Idee auf einen vollständigen Solver-Durchlauf warten zu müssen.
PhysicsAI Generate steht für Siemens’ Überzeugung, dass generative Konzepte von Anfang an durch die Physik begrenzt werden sollten – statt erst nachträglich mit Randbedingungen versehen zu werden.
Simulation früher im Entwicklungsprozess: Simsolid trifft auf Designcenter
Um die Analyse im Lebenszyklus nach vorne zu verlagern, hat Siemens Simcenter Simsolid in Designcenter integriert. Die Geometrie wird in Simsolid übertragen, Lasten und Randbedingungen werden angewendet und die Strukturleistung wird direkt am CAD-Modell bewertet – ohne Aufbau eines herkömmlichen Netzes. Nach Darstellung von Siemens dauert dies Minuten statt Stunden. Dabei geht es weniger darum, detaillierte FEA zu ersetzen, sondern Designteams zu ermöglichen, ungeeignete Ansätze auszusortieren, bevor sich die Warteschlangen der Spezialisten füllen.
Netzlose Prüfungen am laufenden CAD-Modell sind die Grundlage für Siemens’ Argumentation, dass Simulation zu einer Designroutine und nicht zu einer Prüfung am Ende des Entwicklungsprozesses wird.
Multiphysik für elektrische Antriebsstränge
Die neue Version verbessert außerdem die Verbindungen zwischen elektromagnetischer, thermischer und Systemsimulation. Reduzierte Motormodelle können aus Simcenter Flux in System- und 3D-Tools exportiert werden. Die Multiphysik-Updates für STAR-CCM+ zielen auf die Motorkühlung und das thermische Verhalten von Batterien – genau jene gekoppelten Problemstellungen, bei denen Teams ins Stocken geraten, wenn EM-, CFD- und Systemmodelle unterschiedliche Annahmen zu den Schnittstellen verwenden.
Für Hersteller, die Steuerungs- und Antriebshardware bereits standardisieren – sei es bei der Prüfung von GE-Industrieautomatisierungslinien oder bei der Kombination von Modellen mit SPS- und PAC-Plattformen in der Produktion – ist die Botschaft der Software vertraut: Vernetzte digitale Zwillinge lohnen sich erst dann, wenn die Simulationsdomänen einen gemeinsamen Workflow nutzen und nicht nur auf einer Folie nebeneinanderstehen.
Einordnung für die Branche
Der Kauf von Altair würde erst dann relevant werden, wenn beide Marken eine gemeinsame Roadmap haben. Diese Veröffentlichung ist Siemens’ erster öffentlicher Beleg dafür, dass die Übernahme innerhalb von Xcelerator zu einer Portfolioarchitektur und nicht zu einem Nebenangebot wird. KI-Ersatzmodelle, generative Konzepte und netzlose Prüfungen in einer frühen Phase sind die kommerzielle Verpackung; der strategische Anspruch reicht weiter: mehr Simulationskompetenz in Teams, die unter Zeitdruck arbeiten.
Meinung
1.000-fache Beschleunigung und „Sekunden“ bleiben Marketingzahlen, bis sie die eigene Validierungssuite bestehen. Der nachhaltige Schritt ist organisatorischer Natur: eine gemeinsame Simcenter-Dachmarke für die Physik von Siemens und Altair, wobei KI dazu dient, zu entscheiden, welche Fälle einen vollständigen Solver-Lauf verdienen. Wenn PhysicsAI Generate und Simsolid-on-CAD tatsächlich verändern, wer den ersten Durchlauf ausführt – und nicht nur, wie Spezialisten ihre Demos präsentieren –, wird das mehr bedeuten als ein weiteres CFD-Kontrollkästchen.
Über den Autor
Industry News Desk | Bericht zu Simulation und digitalen Zwillingen
Dieser Bericht wurde aus der Portfolioankündigung zu Simcenter von Siemens Digital Industries Software vom 28. Juli / 6. Aug. 2026 übernommen, wie sie bei Siemens News und Automation.com veröffentlicht wurde. Die Veröffentlichung enthielt keine Byline eines einzelnen Journalisten; Produktangaben und Zitate von Führungskräften wurden aus der Unternehmensmitteilung übernommen.