Die Control.com Readers’ Choice Awards 2025 beleuchten Automatisierungstrends
Die Readers’ Choice Awards 2025 von Control.com enthüllten die einflussreichsten Automatisierungsgeschichten des Jahres – von virtuellen SPS-Systemen von Siemens und KI-gestützten Lagern bis hin zu...
Ein Jahr, geprägt von Virtualisierung, KI und praxisnaher Ingenieursarbeit
Die Control.com Readers’ Choice Awards 2025 boten einen aufschlussreichen Überblick darüber, was Automatisierungsfachleuten im Laufe des Jahres am wichtigsten war. Von virtuellen SPS-Architekturen und KI-gestützter Logistik bis hin zur grundlegenden elektrischen Fehlersuche spiegelten die Platzierungen eine Branche wider, die den digitalen Wandel mit der Zuverlässigkeit praxisnaher Ingenieursarbeit in Einklang bringt.
Besonders auffällig war das gleichzeitige Auftreten bahnbrechender Softwareinnovationen und zeitlosen Instandhaltungswissens. Ingenieure suchten weiterhin nach praktischen Antworten und bereiteten sich zugleich auf zunehmend softwaredefinierte industrielle Systeme vor.
Die Automatisierungsbranche startete in das Jahr 2025 mit wachsendem Interesse an KI, Virtualisierung und softwarezentrierten Steuerungssystemen.
Siemens dominierte die Diskussion über Automatisierung
Drei der fünf meistgelesenen Nachrichten drehten sich um Siemens-Technologien. Das allein sagt viel über den aktuellen Zustand der industriellen Automatisierung aus. Der Markt legt zunehmend ebenso großen Wert auf skalierbare Softwareökosysteme wie auf die Leistungsfähigkeit von Steuerungshardware.
Virtuelle SPSen nähern sich weiter dem Mainstream
Die virtuelle SPS Siemens S7-1500V stieß auf großes Interesse, weil sie mehr als nur eine neue Steuerung darstellt. Sie signalisiert eine umfassendere Verlagerung hin zu containerisierten und softwaredefinierten Automatisierungsumgebungen.
Virtuelle Steuerungen vereinfachen Simulation, Inbetriebnahme und cloudverbundene Betriebsabläufe. Für Hersteller, die digitale Zwillinge oder hybride Edge-Cloud-Architekturen entwickeln, verringert die Virtualisierung den Bereitstellungsaufwand und verbessert zugleich die Skalierbarkeit.
Viele Anlagen, die ihre bestehende Steuerungsinfrastruktur modernisieren, kombinieren diese neuen Ansätze weiterhin mit etablierten SPS-Plattformen und industrieller Netzwerktechnik, die über Siemens-Automatisierungssysteme erhältlich ist.
TIA Portal Version 20 verstärkte den softwarezentrierten Trend
Engineering-Software sorgt außerhalb von Industriekreisen nur selten für große Aufmerksamkeit. Dennoch wurde TIA Portal Version 20 zu einer der meistgelesenen Ankündigungen des Jahres, da integrierte Engineering-Umgebungen inzwischen direkten Einfluss auf die Produktivität haben.
Schnellere Projektkompilierung, verbesserte Visualisierungsabläufe und eine engere Bewegungsintegration führen insgesamt zu kürzeren Inbetriebnahmezeiten. Für global tätige Hersteller, die mit Fachkräftemangel und verkürzten Projektlaufzeiten konfrontiert sind, bieten diese Verbesserungen einen messbaren betrieblichen Nutzen.
KI-Lager wurden zum Symbol des industriellen Wandels
Die meistgelesene Automatisierungsgeschichte des Jahres konzentrierte sich auf die Partnerschaft von Walmart mit Symbotic und den Aufstieg der KI-gestützten Lagerautomatisierung. Diese Popularität spiegelt die zunehmende Erkenntnis wider, dass sich Automatisierung weit über traditionelle Fertigungsanlagen hinaus ausgedehnt hat.
Moderne Logistiksysteme verbinden zunehmend Robotik, maschinelles Sehen, KI-Orchestrierung und prädiktive Analysen zu einheitlichen betrieblichen Ökosystemen. Lager ähneln heute eher hochkoordinierten Industrieautomatisierungsanlagen als einfachen Lagergebäuden.
Robotergestützte Palettierung und KI-unterstützte Logistiksysteme breiteten sich in groß angelegten Distributionsbetrieben weiter aus.
Diese Anlagen sind in hohem Maß auf industrielle Antriebe, verteilte I/O, Industrial Ethernet und die Echtzeitkoordination von Maschinen angewiesen. Integratoren, die automatisierte Logistiklösungen unterstützen, setzen häufig Bewegungs- und Antriebsplattformen ein, die denen in industriellen Antriebs- und Bewegungssteuerungssystemen ähneln.
Auf welche technischen Artikel Ingenieure weiterhin angewiesen sind
Während KI und virtuelle SPSen die Schlagzeilen dominierten, offenbarten die meistgelesenen technischen Artikel etwas ebenso Wichtiges. Ingenieure sind weiterhin auf praxisnahes elektrisches Fachwissen angewiesen, um Industrieanlagen sicher in Betrieb zu halten.
Die Prüfung der Motorisolierung bleibt unverzichtbar
Der wichtigste technische Artikel des Jahres 2025 befasste sich mit der Messung des Isolationswiderstands von Motoren, die allgemein als „Megger-Prüfung“ bezeichnet wird. Seine Beliebtheit zeigt, dass die Grundlagen der vorausschauenden Instandhaltung weiterhin eine zentrale Rolle in Strategien für industrielle Zuverlässigkeit spielen.
Mit zunehmendem Alter von Motoren steigt durch die Alterung der Isolierung das Risiko von Kurzschlüssen, Überhitzung und Totalausfällen. Regelmäßige Isolationsprüfungen helfen Instandhaltungsteams, Probleme zu erkennen, bevor es zu Produktionsausfällen kommt.
Netzqualität und elektrotechnische Grundlagen bleiben wichtig
Auch Artikel über Blindleistung, Scheinleistung und Leistungsfaktor erreichten hohe Platzierungen. Diese Themen mögen grundlegend erscheinen, wirken sich jedoch direkt auf die Anlageneffizienz, die Belastung von Transformatoren und die elektrische Stabilität aus.
In Anlagen mit einer großen Zahl an Frequenzumrichtern, Kompressoren oder Motoren mit hoher Leistung kann ein schlechter Leistungsfaktor vermeidbare Energieverluste und eine Belastung der Ausrüstung verursachen. Ingenieure greifen weiterhin auf diese Grundlagen zurück, weil Elektrifizierung und Automatisierungsdichte stetig zunehmen.
PWM und Motorverdrahtung unterstützen weiterhin den täglichen Betrieb
Anleitungen zur Pulsweitenmodulation und zur Verdrahtung von Drehstrommotoren gehörten weiterhin zu den meistgenutzten Ressourcen des Jahres. Diese Themen bilden den Kern der Motorsteuerungstechnik, insbesondere bei Anwendungen mit Frequenzumrichtern und Servosystemen.
Auch wenn Fabriken KI und Cloud-Analysen einführen, beheben Techniker vor Ort täglich Probleme bei der Verdrahtung, der Phasenbalance, der Signalintegrität und der Leistung von Motorantrieben.
Die Prüfung des Isolationswiderstands von Motoren gehörte 2025 weiterhin zu den am häufigsten gesuchten Instandhaltungspraktiken unter Ingenieuren.
Was die Platzierungen tatsächlich über die Automatisierung aussagen
Die wichtigste Erkenntnis aus den Readers’ Choice Awards ist, dass die industrielle Automatisierung in eine hybride Phase eintritt. Ingenieure setzen auf Virtualisierung, KI und fortschrittliche Analysen, geben traditionelle Ingenieursdisziplinen jedoch nicht auf.
Fabriken benötigen weiterhin zuverlässige SPS-Hardware, deterministische Steuerungen, Motordiagnostik und elektrotechnisches Fachwissen. Die Zukunft gehört Organisationen, die den digitalen Wandel mit betrieblicher Zuverlässigkeit verbinden können.
Dieses Gleichgewicht erklärt, warum Softwareplattformen, Lagerrobotik, Isolationsprüfungen und PWM-Theorie gemeinsam in denselben Platzierungen auftauchten. Moderne Automatisierung gehört nicht mehr zu einer einzigen Disziplin. Sie verbindet heute IT-Architektur, Elektrotechnik, Steuerungssysteme und betriebliche Intelligenz zu einem sich kontinuierlich weiterentwickelnden Ökosystem.
Eine Branche, die voranschreitet, ohne ihre Grundlagen zu vergessen
Die Automatisierungsbranche diskutierte 2025 über KI, digitale Zwillinge und virtuelle Steuerungen, doch die meistgelesenen technischen Inhalte des Jahres bewiesen, dass elektrotechnische Grundlagen weiterhin die industrielle Leistung bestimmen.
Steuerungsingenieure können bei Familienfeiern vielleicht noch immer nicht leicht erklären, was sie beruflich tun, doch ihre Rolle wird wichtiger denn je. Je stärker Fabriken vernetzt und softwaredefiniert werden, desto größer wird der Bedarf an Ingenieuren, die sowohl fortschrittliche Automatisierung als auch grundlegende elektrische Systeme verstehen.
Autor: Daniel Mercer | Leitender Reporter für Automatisierungssysteme
Daniel Mercer berichtet seit 14 Jahren über industrielle Steuerungssysteme, digitale Fertigung und Energieinfrastruktur. Zu seinem Erfahrungshintergrund gehören Automatisierungsintegrationsprojekte mit Plattformen von Siemens, ABB, Emerson und Schneider Electric in den Branchen Energie, Prozessindustrie und Logistik.