Erster Testlauf mit der Bosch Rexroth ctrlX CORE IPC Plattform
Der ctrlX CORE von Bosch Rexroth vereint SPS-Funktionalität, Bewegungssteuerung und IIoT-Konnektivität in einer modularen Industrie-PC-Plattform. Diese Ersteinschätzung untersucht die webbasierte B...
Eine andere Art von SPS-Erlebnis
Die meisten Ingenieure gehen bei einem neuen Controller ähnlich vor: Einschalten, ein paar Eingänge verdrahten, eine schnelle Leiterlogik erstellen und Ausgänge überprüfen. Der ctrlX CORE von Bosch Rexroth ändert diese Routine fast sofort.
Anstatt wie eine traditionelle SPS-Plattform zu agieren, führt der ctrlX CORE eine softwarezentrierte Automatisierungsumgebung ein, die die Flexibilität eines Industrie-PCs mit moderner webbasierten Engineering verbindet. Das Ergebnis fühlt sich weniger nach Inbetriebnahme eines Controllers an, sondern mehr nach Konfiguration eines industriellen Betriebssystems.
Der ctrlX CORE vereint SPS-, Bewegungs-, Netzwerk- und IIoT-Fähigkeiten in einer kompakten Industrie-PC-Plattform.
Warum Industrie-PCs das Automatisierungsdesign verändern
Der Aufstieg der Industrie-PCs spiegelt einen größeren Wandel wider, der in der Fertigungs- und Prozessindustrie stattfindet. Ingenieure wünschen sich zunehmend eine Hardwareplattform, die Steuerungslogik, Bewegungskoordination, Visualisierung, Analytik und Kommunikation bewältigen kann.
Traditionelle SPS-Architekturen erforderten oft separate Hardwaremodule für jede zusätzliche Funktion. Bewegungssteuerung benötigte spezielle Karten. Fortgeschrittenes Networking erforderte Erweiterungsmodule. HMI-Visualisierung war von separaten Bediengeräten abhängig.
Software ersetzt dedizierte Hardware-Ebenen
Moderne IPC-Plattformen reduzieren diese Hardwareabhängigkeiten, indem sie Funktionen in Softwareanwendungen verlagern. Ein ausreichend leistungsfähiger Industrieprozessor kann SPS-Aufgaben ausführen, Bewegungsachsen koordinieren, Visualisierungsdienste betreiben und industrielle Kommunikation gleichzeitig verwalten.
Der ctrlX CORE folgt dieser Philosophie direkt. Bosch Rexroth hat die Plattform um modulare Software-Apps herum entwickelt, statt sich auf hardwareseitige Funktionsbeschränkungen zu stützen.
Hersteller, die softwaredefinierte Automatisierungsinfrastrukturen erkunden, vergleichen diese Architekturen oft mit anderen fortschrittlichen Lösungen, die in PLC- und PAC-Systemplattformen verfügbar sind.
Flexibilität bringt ingenieurtechnische Verantwortung mit sich
Die Flexibilität von IPCs verändert auch die Anforderungen an die Fähigkeiten von Automatisierungsteams. Traditionelle SPS-Fehlerbehebung basierte auf deterministischen Hardware-Strukturen und begrenzten Betriebssystemen. IPC-Plattformen bringen Betriebssysteme, Softwareabhängigkeiten, Berechtigungsmanagement und Anwendungsorchestrierung mit sich.
Diese Komplexität kann enorme Vorteile bieten, aber nur, wenn die Engineering-Teams über die Erfahrung verfügen, softwaregesteuerte Infrastrukturen effektiv zu verwalten.
Im Inneren der ctrlX CORE Architektur
Physisch wirkt der ctrlX CORE kompakt und täuschend einfach. Doch seine Kommunikationsfähigkeiten heben ihn sofort von herkömmlichen kompakten SPS ab.
Die Plattform umfasst mehrere RJ45-Ethernet-Schnittstellen neben USB-C-Konnektivität. Noch wichtiger ist, dass diese Ports wichtige Industrieprotokolle wie EtherCAT, Ethernet/IP und PROFINET unterstützen, ohne zusätzliche Kommunikationshardware zu benötigen.
Integrierte Unterstützung für Industrial Ethernet reduziert den Bedarf an dedizierten Kommunikations-Erweiterungsmodulen.
Ein app-basiertes Automatisierungs-Ökosystem
Eine der interessantesten Engineering-Entscheidungen hinter ctrlX CORE ist seine anwendungsbasierte Struktur. Bosch Rexroth hat einen Ansatz ähnlich moderner Smartphone-Ökosysteme gewählt.
Anstatt große Softwarepakete manuell zu installieren, fügen Nutzer Funktionalitäten über dedizierte Apps hinzu. Bewegungssteuerung, SPS-Laufzeitumgebungen, IIoT-Dienste, Visualisierung und Node-RED-Integration können alle als modulare Softwarekomponenten betrieben werden.
Dieser Ansatz vereinfacht zukünftige Erweiterungen, da Funktionalität durch Softwarebereitstellung und nicht durch Hardwareaustausch weiterentwickelt wird.
Integration von lokalem I/O und EtherCAT
Der Controller unterstützt auch lokale I/O-Erweiterungsmodule über eine EtherCAT-Rückplane. Dies schafft eine hybride Architektur, bei der zentrale IPC-Rechenleistung mit verteilter Feldgeräte-Konnektivität kombiniert wird.
EtherCAT bleibt besonders in bewegungsintensiven Anwendungen attraktiv wegen seiner deterministischen Zeitsteuerung und der Hochgeschwindigkeits-Synchronisationsleistung. Ähnliche verteilte Steuerungsstrategien werden weit verbreitet in industriellen Kommunikations- und Netzwerksystemen eingesetzt.
Der Webserver wird zur Hauptschnittstelle
Für Ingenieure, die an klassische SPS gewöhnt sind, ist vielleicht das ungewöhnlichste Merkmal das Fehlen eines dedizierten Displays, einer Tastatur oder einer Bedienerschnittstelle.
Die Interaktion mit dem ctrlX CORE erfolgt hauptsächlich über seine integrierte Webserver-Umgebung. Ingenieure verbinden sich direkt über einen Browser mit der IP-Adresse des Controllers.
Die browserbasierte Engineering-Oberfläche reduziert die Abhängigkeit von dedizierten Konfigurationsterminals.
Hybrider Engineering-Workflow
Die Browser-Umgebung bietet Diagnose, Konfigurationsmanagement, Anwendungsbereitstellung und Systemüberwachung. Fortgeschrittene Engineering-Aufgaben wie SPS-Programmierung und Bewegungssteuerung erfordern jedoch weiterhin ergänzende Engineering-Software, die lokal auf der Programmierstation installiert ist.
Dieser hybride Ansatz findet eine Balance zwischen leichter Zugänglichkeit und professioneller Engineering-Tiefe.
Diagnosewerkzeuge für schnellere Fehlerbehebung
Ein herausragendes Merkmal bei der ersten Erkundung ist die Diagnoseumgebung. Fehlermeldungen enthalten direkte Hyperlinks zu kontextbezogenen Hilferessourcen, was die Fehlersuche erheblich verkürzt.
Für Wartungspersonal, das entfernte oder verteilte Anlagen unterstützt, kann diese Art integrierter Dokumentation Ausfallzeiten reduzieren und die Fehlerisolierung vereinfachen.
Die Diagnoseoberfläche integriert Betriebswarnungen mit kontextbezogener technischer Anleitung.
Konfiguration rückt näher an IT-Methoden heran
Die Einstellungsumgebung zeigt, wie eng moderne Automatisierung mit IT-Praktiken im Unternehmen zusammenwächst. Benutzerverwaltung, Berechtigungen, Netzwerkkonfiguration, App-Bereitstellung und Datenebenenverwaltung existieren alle innerhalb derselben zentralisierten Umgebung.
Diese Konvergenz spiegelt breitere Industrie 4.0-Trends wider, bei denen Betriebstechnologie zunehmend mit Cybersicherheit, Cloud-Infrastruktur und verteiltem Computing verschmilzt.
Die Einstellungsumgebung zentralisiert Netzwerkmanagement, Berechtigungen und Softwarebereitstellung.
Wo der ctrlX CORE in die moderne Automatisierung passt
Der ctrlX CORE konkurriert nicht einfach mit kompakten SPS. Er zielt auf eine viel breitere Kategorie ab, die IPCs, Edge-Controller, IIoT-Gateways und modulare Automatisierungsserver umfasst.
Ihre stärksten Anwendungen werden wahrscheinlich in Maschinen mit flexibler Bewegungssteuerung, fortschrittlichem Networking, Datenintegration und skalierbarer Softwarebereitstellung entstehen. Verpackungssysteme, Robotikzellen, Materialhandling und modulare Fertigungsanlagen sind besonders gut geeignet.
Eine Plattform für die nächste Automatisierungsära
Die wichtigste Erkenntnis aus diesem ersten Testlauf ist, dass Bosch Rexroth nicht nur die SPS-Hardware modernisiert. Das Unternehmen gestaltet die Art und Weise, wie Ingenieure mit industriellen Automatisierungssystemen interagieren, grundlegend neu.
Der ctrlX CORE spiegelt eine Branche wider, die sich in Richtung app-gesteuerter Funktionalität, web-nativer Entwicklung und softwaredefinierter Automatisierungsinfrastruktur bewegt. Für erfahrene Steuerungsingenieure fühlt sich der Übergang sowohl spannend als auch disruptiv an.
Praktisch gesehen hängt der Erfolg mit Plattformen wie ctrlX CORE weniger allein von Verkabelungsfähigkeiten ab, sondern mehr von der Fähigkeit eines Ingenieurs, Software-Ökosysteme, Netzwerkarchitekturen und integrierte digitale Arbeitsabläufe zu verwalten.
Autor: Michael Donovan | Analyst für industrielle Systeme
Michael Donovan verfügt über 12 Jahre Erfahrung in den Bereichen industrielle Computertechnik, Bewegungssteuerung und verteilte Automatisierungsplattformen. Sein Hintergrund umfasst Systemintegrationsprojekte mit Bosch Rexroth, Beckhoff Automation, Siemens und Rockwell Automation Technologien in den Bereichen Fertigung und Logistik.