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Neu bei SPSen? Fünf wichtige Funktionen, die jeder Anfänger kennen sollte

Die erstmalige Auswahl einer SPS kann überwältigend wirken. Von der E/A-Architektur über die Netzwerkkompatibilität bis hin zum Zugriff auf den Webserver wirken sich mehrere zentrale Funktionen dir...

Warum die „beste SPS“ von mehr als nur dem Datenblatt abhängt

Jeder neue Automatisierungsingenieur erlebt irgendwann denselben Moment: Er öffnet ein SPS-Datenblatt und entdeckt Seiten voller unbekannter Spezifikationen. Taktfrequenzen, Kommunikationsprotokolle, Lizenzmodelle, Speicherzuordnungen und Erweiterungsgrenzen können eine einfache Kaufentscheidung schnell in ein technisches Labyrinth verwandeln.

Erfahrene Steuerungsingenieure bewerten eine SPS jedoch selten anhand jeder einzelnen Spezifikationszeile. Stattdessen konzentrieren sie sich auf mehrere entscheidende Merkmale, die bestimmen, ob der Controller auch Jahre nach der Inbetriebnahme praktisch, skalierbar und wartungsfreundlich bleibt.

Für Anfänger, die in die industrielle Automatisierung einsteigen, ist das Verständnis dieser grundlegenden Funktionen weitaus wichtiger als das Auswendiglernen von Produktkatalogen.

Integrierte I/O oder modulare Erweiterung?

Eine der ersten Überlegungen bei der Auslegung betrifft die I/O-Architektur des Controllers. Einige SPS integrieren digitale und analoge Eingänge direkt in die CPU, während andere vollständig auf externe Erweiterungsmodule angewiesen sind.

Systeme mit integrierten I/O senken die Einstiegskosten und vereinfachen die Verdrahtung bei kleinen Projekten. Sie sind besonders bei der kompakten Maschinensteuerung, Verpackungsanlagen und Ausbildungssystemen verbreitet.

Kompakte SPS mit integrierten I/O-Anschlüssen und seitlich installierten modularen Erweiterungseinheiten

Eine kompakte SPS, die integrierte I/O mit modularer Erweiterungsfähigkeit für zukünftige Skalierbarkeit kombiniert.

Skalierbarkeit entscheidet oft über den langfristigen Wert

Ein Anfänger benötigt heute möglicherweise nur eine Handvoll digitaler Signale. Industrielle Systeme bleiben jedoch selten in ihrer ursprünglichen Konfiguration unverändert. Zusätzliche Sensoren, VFDs, Sicherheitseinrichtungen und entfernte Stationen kommen häufig später hinzu.

Deshalb ist die Erweiterungsfähigkeit wichtig. Ein Controller mit modularen Wachstumsmöglichkeiten kann eine kostspielige Plattformmigration zu einem späteren Zeitpunkt im Projektlebenszyklus verhindern.

Ingenieure, die skalierbare Steuerungshardware bewerten, vergleichen häufig Systeme innerhalb moderner SPS- und PAC-Plattformen, insbesondere wenn künftig Netzwerke oder dezentrale I/O-Anforderungen zu erwarten sind.

Softwarelizenzen können das gesamte Projektbudget beeinflussen

Die Lizenzierung von SPS-Software gehört nach wie vor zu den am wenigsten diskutierten und zugleich einflussreichsten Kaufaspekten bei Automatisierungsprojekten.

Einige Plattformen erfordern jährliche Abonnements. Andere verwenden dauerhafte Lizenzen, die an USB-Dongles oder Aktivierungsschlüssel gebunden sind. Kostenlose Programmierumgebungen gibt es ebenfalls, insbesondere in Open-Source- oder Einsteiger-Ökosystemen.

Bildschirm zur Lizenzierung von Software für die industrielle Automatisierung mit permanenten und abonnementbasierten Softwareoptionen

Die Lizenzstruktur kann die langfristigen Kosten für Engineering und Wartung erheblich beeinflussen.

Wartungsteams müssen über den Erstkauf hinausdenken

Eine kostengünstige Steuerung kann teuer werden, wenn jeder Techniker ein jährliches Softwareabonnement benötigt. Dauerlizenzen können dagegen die laufenden Kosten senken, möglicherweise aber den Zugang zu Upgrades einschränken.

Für global tätige Anlagen mit mehreren Produktionslinien wird die Lizenzstrategie zu einem Bestandteil der Betriebsplanung und nicht nur zu einer einfachen Beschaffungsentscheidung.

Viele groß angelegte Anlagen, die Plattformen wie Siemens SIMATIC S7-Systeme oder verteilte Architekturen verwenden, standardisieren die Engineering-Software frühzeitig, um die langfristige Wartung und die Schulung der Mitarbeiter zu vereinfachen.

Die Wahl der Programmiersprache beeinflusst die Effizienz der Fehlersuche

Die Norm IEC 61131 definiert mehrere SPS-Programmiersprachen, darunter Kontaktplan, Structured Text und Funktionsplan. Obwohl jeder Ingenieur persönliche Vorlieben entwickelt, ist die Wartbarkeit oft wichtiger als der Stil.

In Nordamerika ist die Kontaktplanprogrammierung weiterhin vorherrschend, da Elektriker und Instandhaltungstechniker relaisartige Schaltpläne schnell analysieren können. In Europa sind Funktionsbaustein- und Structured-Text-Programmierung für fortgeschrittene Prozesssteuerungs- und Bewegungsanwendungen weiter verbreitet.

Programmierumgebung für Structured Text, in der eine industrielle Automatisierungssteuerungsroutine ausgeführt wird

Structured Text erfreut sich in der fortgeschrittenen Automatisierung und bei softwareorientiertem Maschinendesign weiterhin wachsender Beliebtheit.

Structured Text wächst rasant

Moderne Automatisierung ähnelt zunehmend der Softwareentwicklung. Datenverarbeitung, Rezeptverwaltung, Analysen und Edge Computing sprechen aufgrund ihrer Flexibilität und guten Lesbarkeit bei komplexen Algorithmen häufig für die Programmierung in Structured Text.

Dennoch ist die Kontaktplanprogrammierung tief in der Instandhaltungskultur der Industrie verwurzelt. Für viele Fabriken ist die Geschwindigkeit bei der Fehlersuche wichtiger als programmiertechnische Eleganz.

Die klügste Strategie für Einsteiger besteht nicht darin, Partei zu ergreifen. Entscheidend ist, zu lernen, wie unterschiedliche Sprachen verschiedene industrielle Probleme lösen.

Netzwerkkompatibilität ist nicht länger optional

Die Netzwerkfunktionen können darüber entscheiden, ob sich eine SPS problemlos in eine Maschine integrieren lässt oder zu einem teuren Kompatibilitätsproblem wird.

Moderne Systeme erfordern häufig die Unterstützung von EtherNet/IP, EtherCAT, Modbus TCP, PROFINET oder seriellen Protokollen wie RS-485. Leider garantiert allein der physische Ethernet-Anschluss keine Protokollkompatibilität.

Industrielle SPS-Kommunikationsanschlüsse zur Unterstützung von Ethernet und seriellen Industrienetzwerken

Die Unterstützung industrieller Netzwerke muss zu den bereits in der Anlage installierten Feldgeräten passen.

Kommunikationsplanung verhindert Integrationsprobleme

Bei vielen Automatisierungsprojekten wird die Protokollkompatibilität anfangs unterschätzt. Das Ergebnis sind meist Gateway-Konverter, zusätzlicher Engineering-Aufwand und vermeidbare Verzögerungen bei der Inbetriebnahme.

Heutige Anlagen verbinden SPSen zunehmend gleichzeitig mit SCADA-Plattformen, Frequenzumrichtern, dezentralen E/A und Cloud-Analysen. Steuerungen mit flexiblen Netzwerkmöglichkeiten verringern diese Integrationsrisiken erheblich.

Anlagen, die vernetzte Produktionsumgebungen aufbauen, setzen häufig Komponenten aus umfassenderen industriellen Kommunikations- und Netzwerksystemen ein, um eine langfristige Interoperabilität zu gewährleisten.

Der Zugriff über Webserver wird still und leise unverzichtbar

Die Webserver-Funktion galt früher als Premiummerkmal. Heute wird sie bei modernen Automatisierungsplattformen zunehmend zum Standard.

Ein integrierter Webserver ermöglicht es Ingenieuren, Diagnosen zu überwachen, E/A-Zustände zu beobachten, Netzwerkeinstellungen zu konfigurieren und manchmal sogar Programme direkt über einen Browser zu bearbeiten.

Browserbasierte Webserver-Oberfläche einer industriellen SPS zur Anzeige von Logik- und Diagnoseinformationen

Moderne SPS-Webserver vereinfachen die Diagnose und verringern die Abhängigkeit von dedizierter HMI-Hardware.

Ferndiagnosen verändern die Erwartungen an die Instandhaltung

Teams für die industrielle Instandhaltung erwarten zunehmend sofortigen Zugriff auf Alarme und Informationen zum Systemzustand. Weboberflächen verkürzen die Zeit zur Fehlerbehebung und verringern die Abhängigkeit von dedizierten Engineering-Arbeitsplätzen.

Für geografisch verteilte Anlagen unterstützen browserbasierte Diagnosen außerdem Fernwartungsmodelle und zentralisierte Instandhaltungsabläufe.

Dieser Trend spiegelt einen umfassenderen Wandel hin zu softwaredefinierter Automatisierungsinfrastruktur wider, bei der Zugänglichkeit und Datentransparenz ebenso wichtig werden wie die reine Steuerungsleistung.

Die eigentliche Fähigkeit besteht darin, die Unterschiede zwischen SPS-Plattformen zu verstehen

Anfänger suchen oft nach der einen „besten“ SPS-Plattform. In Wirklichkeit lernen erfolgreiche Automatisierungsingenieure, wie verschiedene Steuerungen zu unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen passen.

Eine kompakte Embedded-SPS kann in einem Verpackungs-Skid perfekt funktionieren. Ein modularer PAC kann in der Prozessautomatisierung überlegen sein. Ein IPC-basierter Controller kann in bewegungsintensiven Anwendungen mit Anforderungen an Analytik und Edge Computing seine Stärken ausspielen.

Die besten Ingenieure sind nicht an eine einzige Programmierumgebung gebunden. Sie verstehen Architektur, Skalierbarkeit, Kommunikationsstrategien und Wartbarkeit.

Diese Flexibilität wird zunehmend wertvoll, da industrielle Automatisierung mit Softwareentwicklung, industriellen Netzwerken und digitalen Fertigungssystemen zusammenwächst.

Autor: Daniel Mercer | Berichterstatter für Automatisierungssysteme

Daniel Mercer verfügt über 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen SPS-Architektur, industrielle Netzwerke und Integration von Steuerungssystemen. Sein Hintergrund umfasst Inbetriebnahmeprojekte mit Siemens, Rockwell Automation, Beckhoff Automation und Emerson-Prozesssystemen in Produktions- und Energieanlagen.

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