Recom Moritsch und ABB entwickeln Steuerungslösung für Wippkrane
Der italienische Spezialist für Wippauslegerkrane Recom Moritsch und ABB haben eine Automatisierungsplattform der zweiten Generation rund um die sichere SPS AC500-S und die ACS880-Antriebe entwicke...
BELLUNO, Italien — Recom Moritsch, der italienische Hersteller von Turmdrehkranen mit Wippausleger, und ABB haben ein neues Automatisierungspaket für die Maschinen der zweiten Generation entwickelt: eine AC500-S-Sicherheits-SPS, die mit industriellen Frequenzumrichtern ACS880 kommuniziert, ergänzt durch ein FSO-Steckmodul mit antriebsbasierten Sicherheitsfunktionen.
Die Arbeiten begannen nicht erst 2026. Recom startete die Neuentwicklung bereits 2015, als innerstädtische Projekte mit „Mega-Höhen“ – Moritsch sprach in der Branchensprache von Bauwerken mit einer Reichweite von bis zu 3.200 Fuß – die herkömmliche Motor- und Windensteuerung in puncto Sicherheit und Verfügbarkeit unzureichend erscheinen ließen. Wippausleger arbeiten ohnehin auf beengten innerstädtischen Baustellen. Ein Fehler in der Steuerung ist keine bloße Unannehmlichkeit, sondern ein Ereignis im öffentlichen Raum.
Turmdrehkrane mit Wippausleger von Recom Moritsch. Foto: Recom Moritsch.
Ein Partner, kein Katalogkauf
„Wir suchten mehr als nur einen Lieferanten. Wir wollten einen Partner, der gemeinsam mit uns die beste Lösung für unsere Krane entwickelt, um eine höhere Leistung und Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig kosteneffizient zu bleiben“, sagte Mariano Moritsch, Geschäftsführer von Recom Moritsch. ABBs weltweites Servicenetz war ebenso wichtig wie die Hardware. Krane werden verschifft, stehen jahrelang in der Skyline und müssen weiterhin betreut werden können, wenn ein Techniker vor Ort den Schaltschrank öffnet.
ABB bot die AC500-S und den ACS880 mit dem FSO-Sicherheitsfunktionsmodul an, das im Frequenzumrichter sitzt und gemeinsam mit dessen Steuerung arbeitet – nicht als separate Sicherheitsinsel, die nur über einen potenzialfreien Kontakt mit der SPS verbunden ist. Laut Moritsch war die garantierte Kommunikation ausschlaggebend: SPS und Frequenzumrichter mussten ohne eine Integrationsschicht eines Drittanbieters miteinander kommunizieren, und die SPS-Programmiersprache war den Technikern von Recom bereits vertraut – IEC 61131-3, also dieselbe Sprachfamilie, für die die meisten europäischen Maschinenbauer bereits Fachkräfte beschäftigen.
Walter De Battista, Leiter der Hardwareentwicklung bei Recom, erklärte in früheren Projektnotizen, dass die AC500-S ursprünglich nicht in der internen Planung vorgesehen war. ABB brachte sie ins Gespräch; Recom führte anschließend eine vollständig integrierte Maschinensteuerung ein und verkürzte die Zeit für Software- und Antriebsinbetriebnahme, weil dieselben Serviceeinsätze sowohl die Steuerungen als auch die Einrichtung des ACS880 abdecken konnten.
Die Speicherkarte ist der Schlüssel zur Verfügbarkeit
Turmdrehkrane sind verschmutzter Stromversorgung und widrigen Wetterbedingungen ausgesetzt. Frequenzumrichter fallen aus. Üblicherweise wird das Gerät eingeschickt oder ein werkseitig konfigurierter Ersatz bestellt, auf den man dann warten muss. Beim ACS880 befindet sich die Anwendungssoftware auf einer herausnehmbaren Speicherkarte. Recoms Lösung im Feldeinsatz lautet nun: Einen Standard-Frequenzumrichter über einen lokalen ABB-Vertriebskanal kaufen, die Karte umsetzen und den Kran wieder in Betrieb nehmen. Das ist ebenso eine logistische wie eine elektronische Veränderung – und genau auf dieses Detail kommt Moritsch immer wieder zu sprechen, wenn er über die Verfügbarkeit spricht.
Die Anpassung an die Motoren dauerte länger als das Aufspielen von Parametern. Recom fertigt kundenspezifische Motoren für seine eigenen Krane. Die ABB-Techniker entwickelten die ACS880-Anwendung für diese Motoren schrittweise weiter, anstatt einer Wippwinde eine Standard-Motorkennlinie aufzuzwingen. „Der ABB-Frequenzumrichter garantiert selbst bei den kundenspezifischen Motoren, die wir für unsere Krane bauen, eine äußerst präzise Regelung“, sagte Moritsch. „Der Frequenzumrichter wurde über mehrere Stufen hinweg feinabgestimmt, wobei die ABB-Techniker detailliert demonstrierten, wie sich all unsere Szenarien lösen lassen.“
Auch das Schwenken bleibt auf der Agenda
Die Drehbewegung des Turms wurde bei diesen Maschinen traditionell mit Gleichstrommotoren ausgeführt. Der Markt drängt auf Wechselstrom. Recom und ABB entwickeln eine auf dem ACS880 basierende Lösung für diese Achse, anstatt die Drehbewegung als verbleibende Gleichstrominsel zu behandeln, während Hub- und Wippwerk auf Wechselstrom umgestellt werden. Bis diese Lösung verfügbar ist, umfasst das veröffentlichte System die Sicherheits-SPS, den ACS880 mit FSO sowie das Servicemodell mit Speicherkartentausch.
Für Kranhersteller, die bereits auf Hardware der ABB-SPS-Serie setzen, ist das Paket von Recom eine Erinnerung daran, dass die AC500-S Sicherheits- und Maschinensteuerung im selben Austausch mit dem Frequenzumrichter übernimmt – und nicht als nachträglich ergänzte SIL-Box im nächsten Schaltschrank.