Phoenix Contact stellt Ethernet-Gateway für die verteilte Relaissteuerung vor
Phoenix Contact hat ein neues PLC-Interface-Ethernet-Gateway eingeführt, das die Relaiskommunikation über eine einzige Ethernet-Verbindung vereinfacht. Die skalierbare Plattform reduziert die Kompl...
Phoenix Contact reduziert mit neuem Ethernet-Gateway die Komplexität der Schaltschrankverdrahtung
Da industrielle Schaltschränke durch E/A-Module, Relais und Kommunikationshardware immer dichter bestückt werden, stehen Maschinenbauer zunehmend unter Druck, die Verdrahtungskomplexität zu verringern, ohne dabei Flexibilität einzubüßen. Das neueste PLC-Interface-Ethernet-Gateway von Phoenix Contact begegnet dieser Herausforderung direkt, indem es herkömmliche Relaisverdrahtung in eine optimierte Ethernet-basierte Architektur umwandelt.
Das neu vorgestellte Gateway ermöglicht die Kommunikation zwischen SPSen und Relaisgruppen über ein einziges Ethernet-Kabel anstelle von Dutzenden einzelner Signalleitungen. Dieser Ansatz reduziert den Installationsaufwand, vereinfacht die Diagnose und unterstützt besser skalierbare Strategien für die dezentrale Steuerung.
Das Ethernet-Gateway unterstützt EtherNet/IP, PROFINET Class C und Modbus/TCP für moderne SPS-Umgebungen.
Ersetzen herkömmlicher Relaisverdrahtung durch Ethernet-basierte Steuerung
In konventionellen Schaltschränken benötigt jedes Relais häufig eine eigene Verdrahtung zurück zum SPS-Schaltschrank. Mit zunehmendem Systemumfang entstehen dadurch große Kabelbündel, eine aufwendige Fehlersuche und ein höherer Installationsaufwand. Das Gateway von Phoenix Contact verändert dieses Modell, indem es Relaisgruppen als per Ethernet verwaltete dezentrale E/A-Knoten behandelt.
Das Gateway übernimmt intern das Kommunikationsmanagement, die Signalwandlung und die Relaiskoordination. Anstatt jedes Signal einzeln zu führen, können Automatisierungsingenieure Relaisbaugruppen näher an den Feldgeräten installieren und gleichzeitig die zentrale Überwachung durch die SPS beibehalten.
Unterstützung industrieller Protokolle für gemischte Automatisierungsumgebungen
Das PLC-Interface-Ethernet-Gateway unterstützt mehrere weit verbreitete industrielle Ethernet-Protokolle, darunter EtherNet/IP, PROFINET Class C und Modbus/TCP. Diese Kompatibilität ermöglicht die Integration in die SPS-Ökosysteme führender Anbieter, die in Fertigung, Prozessautomatisierung und Materialhandling eingesetzt werden.
Die Plattform unterstützt außerdem S2-Redundanz – eine wichtige Funktion für Anwendungen, die eine höhere Kommunikationszuverlässigkeit und ein geringeres Ausfallrisiko erfordern.
Für Anlagen, die bestehende Systeme modernisieren oder dezentrale Architekturen erweitern, lässt sich das Gateway nahtlos zusammen mit dezentralen Steuerungen und Remote-E/A-Plattformen wie Allen-Bradley-ControlLogix-Systemen und Siemens-SIMATIC-S7-Plattformen einsetzen.
Das PLC-V8R/ETH-MP/BM bildet den Kommunikationskern für die dezentrale Erweiterung von Relais und E/A.
Skalierbare dezentrale E/A für modernes Maschinendesign
Phoenix Contact hat das System mit Blick auf Skalierbarkeit entwickelt. Das Gateway unterstützt die Erweiterung auf bis zu 56 digitale oder analoge E/A-Kanäle durch zusätzliche Erweiterungsmodule. Diese modulare Struktur gibt Maschinenbauern Flexibilität, ohne eine zweite SPS oder einen vollständig neuen Schaltschrank zu benötigen.
Ethernet-Kommunikationsstrecken von bis zu 100 Metern ermöglichen außerdem, Relaisstationen näher an Motoren, Aktoren, Förderanlagen oder Prozessskids zu platzieren. Dieses Design senkt die Kosten für die Kabelführung und verbessert die Organisation im Schaltschrank.
Übersichtlichere Schaltschränke und schnellere Fehlersuche
Zu den praktischsten Vorteilen gehört die höhere Wartungseffizienz. Herkömmliche Relais-Schaltschränke sind häufig schwer zu warten, weil Hunderte von Leitungen den begrenzten Platz im Schaltschrank beanspruchen. Die Reduzierung dieser Verbindungen auf eine Ethernet-Kommunikation verbessert die Übersichtlichkeit bei Inbetriebnahme und Service erheblich.
Weniger Anschlusspunkte verringern außerdem das Risiko loser Verbindungen, von Installationsfehlern und vibrationsbedingten Ausfällen. In Branchen, in denen Stillstandskosten weiterhin extrem hoch sind, kann eine vereinfachte Diagnose die Anlagenverfügbarkeit direkt verbessern.
Die Architektur passt außerdem gut zu den Trends der dezentralen Automatisierung, die in modernen industriellen Kommunikations- und Netzwerksystemen zu beobachten sind und bei denen Geräte auf Feldebene zunehmend lokale Entscheidungen und die Signalverarbeitung übernehmen.
Das 16-Kanal-Erweiterungsmodul erhöht die Relaiskapazität für dezentrale Anwendungen in der Maschinensteuerung.
Warum dezentrale Relaisysteme weiter an Bedeutung gewinnen
In allen Bereichen der Fertigung wenden sich Ingenieure zunehmend von zentralen, fest verdrahteten Schaltschränken ab und setzen auf eine modulare dezentrale Steuerung. Ethernet-basierte Relaisysteme unterstützen diesen Wandel, indem sie den Kupferbedarf reduzieren, die Erweiterung von Maschinen vereinfachen und kürzere Bereitstellungszyklen ermöglichen.
Gleichzeitig erleichtert die Protokollkonvergenz zwischen EtherNet/IP, PROFINET und Modbus/TCP die weltweite Standardisierung von Produkten wie diesem. Maschinenbauer möchten nicht länger für verschiedene Regionen oder Kunden separate Relaisarchitekturen vorhalten.
Phoenix Contact scheint diesen Wandel klar zu erkennen. Anstatt Relais als isolierte Hardwarekomponenten zu positionieren, behandelt das Unternehmen sie als intelligente, netzwerkfähige Komponenten innerhalb eines umfassenderen industriellen Kommunikationsökosystems.
Perspektive aus der Engineering-Praxis
Aus Sicht der Entwicklung liegt der größte Vorteil des PLC-Interface-Ethernet-Gateways nicht einfach in der reduzierten Verdrahtung. Der eigentliche Nutzen ergibt sich aus der Flexibilität bei der Maschinenanordnung und bei künftigen Erweiterungen.
Dezentrale Relaisysteme verkürzen die Inbetriebnahmezeit und verbessern die Wartungsfreundlichkeit, insbesondere bei Verpackungslinien, Roboterzellen, Fördersystemen und modularen Prozessskids. Da der Platz im Schaltschrank immer wertvoller wird, dürften Lösungen, die Kommunikation und Relaismanagement in kompakten Architekturen vereinen, im Laufe des Jahres 2026 und darüber hinaus zunehmend eingesetzt werden.
Autor: Daniel Mercer | Leitender Reporter für Automatisierungssysteme
Daniel Mercer verfügt über 14 Jahre Erfahrung in der Berichterstattung über industrielle Netzwerke, SPS-Architekturen und dezentrale Steuerungssysteme. Sein beruflicher Hintergrund umfasst Projekte zur Automatisierungsintegration mit Plattformen von Siemens, Emerson, Beckhoff Automation und Rockwell in den Bereichen Fertigung und Energie.